Lawinenkurs im Lidernengebiet
12. Februar 2010 -
In Kürze
1. Tag:
Ausbildung ohne Tour
2. Tag:
Schneeschuhe: Lidernen Hütte SAC (1727) – Mälchbödeli (ca. 1900) – Rossstock (2461)
Aufstieg: 700 m, Distanz: 2.5 km, Laufzeit: 2.5 h
Snowboard: gleiche Route retour, Fahrzeit: 1 h
3. Tag:
Schneeschuhe: Lidernen Hütte SAC (1727) – Ober Hüttli (1794) – Chrott (ca. 2000) – Chaiserstocksatz (2366)
Aufstieg: 600 m, Distanz: 3.5 km, Laufzeit: 2.5 h
Snowboard: Chaiserstocksatz (2366) – Sattel rechts vom Schnüerstock (1976) – Alt Stafel (1608 ) – Hochtännli (1410) – Stafel (1231)
Abfahrt: 1100 m, Distanz: 6 km, 2 h
Tourenbeschreibung
Tag 1
Als wir um 9:40 mit dem Zug in Sisikon ankommen, steht schon das Bustaxi für uns bereit. Ein idealer Ort um die ersten Bekanntschaften mit den Teilnehmern der 15-köpfigen Lawinenkurs-Gruppe zu machen. Als wir in der Talstation Chäppeliberg (1182) ankommen, ist der Himmel leicht bedeckt. Ein paar wenige Sonnenstrahlen würden den Weg ins Tal finden, stände die Sonne etwas höher.
Die viersitzige Openair-Gondel bringt uns zuverlässig ins Gebiet der Lidernen Hütte SAC (1727), wo wir nach dem lang ersehnten Kaffee und dem Beziehen des Massenschlages bereits die erste Theorielektion erhalten. Der Schwerpunkt des ersten Tages liegt beim Einschätzen der Hangneigung, sowie dem Umgang mit dem LVS.
Nach dem Mittagessen dürfen wir das Gehörte beim Oberhüttli (am Fusse des Schmal Stöckli, 1794) bereits in der Praxis ausprobieren. Wir vergraben ein paar LVS und versuchen diese wieder zu finden. Es ist erstaunlich wie schnell das Gerät den Suchenden zu der entsprechenden Stelle führt, falls das verborgene Gerät auch wirklich eingeschaltet ist. Wir messen die Hangneigung mit der Skistock-Methode und erstellen unser eigenes Schneeprofil für den Belastungstest.
So neigt sich der Tag im Abfahrtstempo dem Ende zu und wir sitzen bereits wieder in der wohligen Wärme der Lindern Hütte, wo wir ein köstliches Nachtessen bekommen. Ein weiterer Theorieblock und ein Schlummertrunk runden den Tag ab und wir sind alle froh, dass wir uns im bequemen Bett etwas hinlegen können.
Tag 2
Das Aufstehen wird erleichtert durch ein reichhaltiges Frühstück und ein Blick nach draussen. Es ist traumhaftes Wetter und ein wunderschönes Nebelmeer legt sich unserer Unterkunft zu Füssen. Noch müssen wir unseren Drang nach draussen aber etwas zügeln. Wir bekommen zuerst ein paar sehr wichtige Informationen über die Einflussfaktoren auf die Schneedecke mit auf den Weg.
So gestärkt machen wir uns wie schon am Vortag in zwei Gruppen (7 Snowboarder, 8 Skifahrer) bereit für eine kleine Tour. Die Skitourengänger haben den Spilauer Stock (2270), wir den Rossstock (2461) zum Ziel. Unterwegs lernen wir viel über die Schneebeschaffenheit und die Routenwahl.
Der Weg führt uns via Mälchbödeli (ca. 1900) und östlich entlang des Rosstockkammes hinauf auf den Rossstock. Belohnt werden wir für die 2 Stunden Aufstieg mit einer grandiosen Aussicht in alle Richtungen. Der Grat zum Gipfel des Rosstock ist etwas ausgesetzt und nichts für schwache Nerven, vor allem nicht bei viel Wind. Wir haben nur mässigen Wind aus Süd-West, also lässt uns das kalt.
Die Abfahrt in Worte zu fassen ist etwa so schwierig wie zu erklären wie ein Chateaubriand schmeckt. Die Verhältnisse sind einfach ideal. Das Wetter, der Schnee, die Gruppe. Einfach Alles. Alleine beim Gedanken an diesen Tag werde ich noch lange husten müssen, bei dem vielen Pulverschnee der um mich herumwirbelt. Es herrscht erhöhte Staublungengefahr.
Wir sind relativ früh zurück in der Hütte, obwohl wir unterwegs noch das Suchen bei Mehrfachverschüttungen üben, das richtige Schaufeln lernen und die Haptik des Sondierens kennenlernen dürfen. Wieder werden wir sehr fein verköstigt. Den Rahmen um das Essen bildet das Planen der morgigen Tour und noch etwas Theorie.
Tag 3
Heute geht es früh los. Bereits um 8 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Chaiserstock. Die Route führt uns via Ober Hüttli zum Chaiserstocksatz am südlichen Fuss des Chaiserstockes. Sämi wählt eine etwas längere Route nördlich vorbei am Husmätteli, damit wir bereits beim Aufstieg einen Blick auf die Abfahrt werfen können. Dabei meiden wir die steilen Wände des Chaiserstock-Massives.
Wir üben das Aufsteigen mit Entlastungsabständen und sind alle froh, wenn wir unseren Zielpunkt (2366) südlich und knapp unterhalb des Chaiserstocks nach 2,5 Stunden erreichen. Wir ruhen uns etwas aus und machen uns dann bereit für die Abfahrt.
Die noch aufsteigende Gruppe tut uns fast etwas leid. Der Neid in ihren Augen verrät uns, dass eigentlich lieber sie diejenigen wären, welche den noch unbefahrenen Hang entjungfern. Das aufflackernde Mitgefühl verfliegt aber so schnell wie es gekommen ist, irgendwo im Pulverschnee der uns um die Ohren weht.
Nach dem Mittagslunch machen wir uns an die von Sämi vorbereitete Übung. Er vergräbt ein paar Rucksäcke mit LVS, welche wir nun suchen dürfen. Ein echtes Szenario, nahe an der Realität. Sehr eindrücklich, sehr lehrreich.
Die finale Talabfahrt ist der krönende Abschluss dieser tollen und unvergesslichen 3 Tage. Zwar ist das letzte Stück durch das Hochtännli etwas steil und zu stark abgefahren, der Weg durch den Wald entlang des Riemenstaldner Baches sehr abenteuerlich und eng, aber das gehört irgendwie einfach dazu.
Anreise
Mit dem Zug nach Sisikon, Bustaxi nach Chäppeliberg (Reservierung obligatorisch: 041 / 820 32 55, 079 / 249 47 02), Seilbahn nach Gitschen (1716)
Rückreise
Bustaxi ab Chäppeliberg, Zug ab Sisikon.
Tourenleitung
Ski: Stefan Indra (Bergführer)
Snowboard: Samuel Leuzinger (Bergführer)
Organisation: Berg und Tal
Schwierigkeitsgrad
Beide Touren sind wenig schwiereg. Die Abfahrtshänge sind nie über 35° und einfach befahrbar. Der Kamm des Rossstock ist ausgesetzt und bedarf guter Trittsicherheit.
Karte
Karte Lidernen (*.pdf) [3.01 MB]Weitere Fotos
Fotos Tag 1, Fotos Tag 2, Fotos Tag 3
Panoramabild
Links
http://www.bergundtal.ch
http://www.lidernenhuette.ch
Begriffe
Die Angaben in (Klammern) sind Höhenangaben in Meter über Meer (m ü. M.)
Kommentare
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Tags: Chaiserstock, Lawinenkurs, Lawinenkurse, Lidernen, Rossstock, Skitour, Snowboardtour
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